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Andere Leute haben Lebensabschnittpartner, wir haben Reiseabschnittspartner. Sonja und Werner von der SY Fee sind es und wir werden gemeinsam mit ihnen in den nächsten Wochen nach Curacao segeln. Am 28. September stechen wir endlich wieder einmal in See. Weit fahren wir allerdings am ersten Tag nicht, wir ankern in einer Bucht ausserhalb von Puerto La Cruz um von dort aus im Morgengrauen die ca. 60sm nach Tortuga anzugehen. Die Tagesstrecke meistern wir je zur Hälfte unter Motor und unter Segel. Grau gesprinkelte Delfine besuchen uns zweimal und schwimmen mit ihren Jungen ausnahmsweise in den Heckwellen. Tortuga ist im Vergleich zu unserem letzten Besuch wie ausgestorben. Keine Fischer fragen nach irgendwelchen Dingen und das nette Restauräntchen von Kubaner Hugo ist leergeräumt. Die Insel selbst zeigt wieder seine Farbenpalette und lockt für einen Spaziergang. Nebst zahlreichen Moskitos finden auch zwei junge Customers den Weg zur Infinity. Sie geben sich nebst der Einsicht in die Papiere und der Begutachtung der Feuerlöscher mit einem Glas Wasser zufrieden und verabschieden sich. Dasselbe Procedere wiederholt sich später in den Aves. Am nächsten Tag verholen wir in die Caya Herradura, wissen wir doch noch vom letzten Mal, dass es weniger Schwell hat und ebenso schön ist. Auch lässt sich hier mit unseren Freunden ausgezeichnet Canasta spielen. Am Samstagnachmittag herrscht Wochenendtrubel, Motorboote dröhnen herbei und Pavillons werden am Strand aufgestellt. Wir sind fit für den Nachttörn nach Los Roques, 86 sm zum vielgerühmten Inselarchipel das immer noch zu Venezuela gehört und unter Naturschutz steht. Um 16 Uhr setzen wir die Segel und rauschen unter 17 bis 20 kn Wind aus Ost dahin. Der Skipper schimpft ausnahmsweise nicht, weil wir zu langsam sind, sondern dass wir bei unserer Geschwindigkeit zu früh (noch dunkel) vor der Riffeinfahrt ankommen werden! Augapfel-Navigation (Fahrt nach Sicht) ist hier nötig, denn laut Karte ist der Leuchtturm an einer andern Stelle. Unbeschreibliche Farben leuchten uns entgegen und um uns nicht immer bei der Schilderung zu wiederholen, schaut euch die Fotos an! In der Francisquisbay herrscht Hochbetrieb. Hier treffen sich die Reichen und die Schönen (schönen Motorboote zumindest) Wir schnorcheln im Aussenriff und schwimmen im Innenriff fast in einen grossen Barrakuda. Es gibt viele Fische, nur die Korallen sind leider fast alle abgestorben. Einheimische verkaufen uns gegen bar einen fangfrischen Fisch und bringen Abwechslung in unseren Menüplan. Wir könnten auch so nicht klagen, werden wir doch von Sonja mit feiner Kürbissuppe und Kaiserschmarren verwöhnt. Werner ist nicht nur Dinghi-Chauffeur, sondern macht uns mit seinem Watermaker auch herrlich frisches Trinkwasser! Auf der Hauptinsel Gran Roque flanieren wir durch die sandigen Strässchen an farbenfrohen und gepflegten Boutiquen und Pensionen vorbei und kaufen mit unseren letzten Bolivares ein bisschen Gemüse ein. Da wir unsere Beinmuskeln wieder einmal betätigen wollen, steigen wir zum Aussichtspunkt hinauf und freuen uns ob der Aussicht über das adrette Dorf, den Flugplatz und die naheliegenden Eilande. In den nächsten Tagen flohnern wir von einer Insel zur andern, schnorcheln ausgiebig, wandern an den weissen Sandstränden auf und ab, lesen ausgetauschte Bücher schattensuchend unter dem Bimini. Gegen Abend spielen wir eifrig Canasta (wenn wir nicht von einer Mückeninvasion im Spiel unterbrochen werden). Ohne Internet und nur sporadischem Telefonempfang, ohne Einkaufsmöglichkeiten und fehlenden Bars verlieren wir bald das Zeitgefühl. In Aves de Barlovento werden wir von hunderten von Vögeln empfangen. Nicht von ungefähr heisst „Aves“ in Spanisch „Vögel“. Mit dem Beiboot fahren wir langsam den Mangroven entlang und fotografieren die schönen Tiere mit roten Füssen und blauen Schnäbeln und die Jungvögel die aussehen wie weisse Wattekugeln mit schwarzen Gesichtern. Wir setzen nach dem 20 sm entfernten Aves de Sotavento über und bleiben noch fast eine Woche in den unberührten Vogelinseln von Venezuela. Dann aber gehen unsere Frischprodukte langsam aber sicher zur Neige und viel Mehl zum Brotbacken ist auch nicht mehr übrig. Am 28. Oktober, genau einen Monat später nachdem wir von Puerto la Cruz losgefahren sind, hissen wir die Gästeflagge von den Niederländischen Antillen. Wir erreichen nach 50sm mit achterlichem Wind Bonaire und fassen dort eine Boje. Wir sind zurück in der Zivilisation!
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