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Von Los Roques nach Bonaire, Curacao und zurück
Von Los Roques nach Bonaire, Curacao und zurück PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Heidi   
Dienstag, 01. Dezember 2009 um 03:47
Das Kleinod Bonaire gehört zu den Niederländischen Antillen, ist das „B“ von den ABC-Inseln und will ab nächstem Jahr wieder ganz zu Holland gehören. Es wird uns nicht zu viel versprochen, als uns erzählt wird, dass hier das Wasser so klar ist, dass der Grund auch in 10m Tiefe noch wie durch eine Fensterscheibe sichtbar ist. Nicht umsonst gilt Bonaire als eines der Tauch- und Schnorchelgebiete der Welt. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren eins ums andere Mal mit der Infinity rüber nach Klein Bonaire und staunen über die vielfältige Unterwasserwelt. Für Bruno ein unvergessliches Erlebnis wird sein Tauchgang mit Werners Sauerstoffflasche bleiben. Die unglaubliche Stille und die Dimensionen unter Wasser haben ihn tief beeindruckt.
Das schmucke Städtchen Kralendijk lockt für einen Einkaufsbummel. Im Gegensatz zu Venezuela führen die Boutiquen zu meiner Freude auch grosse Grössen. Der Grund ist bald ersichtlich, als wohlbeleibte amerikanische und deutsche Touristen aus den anlegenden Kreuzfahrtschiffen strömen. Für Unterhaltung bis in die frühen Morgenstunden ist gesorgt, da wir wegen dem kurzen Dinghi-Weg jeweils eine Boje nahe der Karels Bar wählen, die ihre Gäste mit Discomusik unterhält. Ausserdem unterstreicht ein Motorradfahrer seine Potenz mit dröhnendem Motor entlang der Uferstrasse. Aber wir müssen ja am nächsten Morgen nicht zur Arbeit!
Nach dem gebührenfreien Ausklarieren fahren wir unter Motor nach Spanisch Water in Curacao, dem „C“ der ABC-Inseln. Dort winken auch schon Dirk und Anneke, die beiden vertrauten Belgier und geben bekannt, wann und wo die Happyhour stattfindet. Auf der andern Seite der Bucht entdecken wir auch Birgit und Rainer von der Elsa. Rainers Sohn ist an Bord und ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie zeigen uns den kurzen Fussmarsch hinüber zum offenen Meeresstrand, wo wir später mit Peter und Martin die ersten Schnorchelgänge machen wollen und natürlich verabreden wir uns auf eine Runde „Schätzen“.
Mit Werner und Sonja bummeln wir durch die farbenprächtige Hauptstadt der Insel, Willhemstad. Das Einklarierungsprocedere geht problemlos von Statten, aber die Männer vergessen es, uns auch beim Harbourmaster anzumelden und müssen am nächsten Tag nochmals mit dem Bus in die Stadt. Wahrscheinlich zum letzten Mal spielen wir gemeinsam Canasta! Der Abschied fällt uns schwer!
Am 11. Nov. holen wir Martin und Peter mit öffentlichen Bussen vom Flughafen ab. Sie müssen sich zuerst einmal an die tropischen Temperaturen gewöhnen und die Sonnencreme zücken. Eigentlich wollten wir tags darauf gleich nach Bonaire aufbrechen, aber nach den Windprognosen scheint es uns doch vernünftiger, die guten Einkaufsmöglichkeiten, das holländische Ambiente und den Strand zu geniessen. Hier treffen wir auch Claudia und Jörg von der HR Dreamtime wieder. Die beiden Schweizer kennen wir aus Grenada und den Testigos und sind begeisterte Taucher.
Die 38sm zurück nach Bonaire sind angenehmer als erwartet. Wir machen gute Fahrt gegen flauen Wind und niedrige Welle und können die letzten Meilen sogar segeln. Drei Männer, alle Segler, an Bord zu haben, ist natürlich Luxus pur für mich. Mit dem Bojenfassen und später dem Ankern brauche ich mich nicht mehr zu befassen. Am meisten schätze ich, dass ich für einmal auf den Nachtfahrten keine Wache übernehmen muss und ein gelernter Koch erst noch das Zubereiten der Mahlzeit übernimmt. Bruno geniesst das unterhaltsame Zusammensein mit seinen Brüdern und wir freuen uns, wenn sie vom Schnorcheln und der Inselwelt schwärmen.
Und da die Seglerwelt klein ist, ruft plötzlich jemand von der Strasse aus unsere Namen. Es ist Margarethe mit Ehemann Hans, die beiden Holländer haben uns in Puerto La Cruz in die Dominorunde eingeführt. Sie wollen ihr Boot in Curacao verkaufen und sich eventuell dort niederlassen.
Die 90sm gegen Los Roques sind dann beschwerlicher und gegen 20kn Wind aus Ost und gute 1,5m hohe Wellen anstrengend. Mit laufenden Motoren machen wir gegen Wind und Strömung nur 3,5 kn Fahrt über Grund und Martin arbeitet auf seiner Wache unermüdlich an der Geschwindigkeitsoptimierung unserer Infinity.
Die Baja Caranero fällt der Anker und entschädigt uns für unsere Mühe mit verschiedenartigen Riffen, einer grossen Fischvielfalt und ruhigem Liegen in einer Bucht wie aus dem Ferienprospekt. Die Guardia Costiera fährt heran und weist uns auf das Anmelden bei der Hauptinsel hin, wir nehmen es zur Kenntnis und ignorieren es ohne Konsequenzen. Peter machen wir eine grosse Freude als wir den ansässigen Fischern eine frische Languste abkaufen und am nächsten Tag noch Fische gegen Zigaretten und Coladosen eintauschen.
Am Abend begrüssen wir dann Ursula (die vielerwähnte Schwester von Claudia) und Ruedi, der in Steinach aufgewachsen ist und im SVH auf einem Wanderpokal verewigt sei, an Bord der Infinity.
Ein weiteres Highlight ist der Besuch der Hauptinsel Gran Roque. Die ungeteerten Strässchen, die luftige, bunte Kirche, die stilvollen Posedas und die singenden Kinder in der Schule bezaubern. Bei einem Pachita (geeister Saft der Passionsfrucht) sitzen wir im Strandcafé und können uns kaum sattsehen an den Pelikanen und den Menschen die nach der Siesta ins Freie kommen.
In der Francisquisbay schnorcheln wir am Morgen zum letzten Mal mit unserem Besuch im Innenriff und der grosse Barrakuda ist auch wieder da. Am frühen Nachmittag fahren wir den Riffkanal hinunter zum Mangroveninselchen, wo wir vor dem 150sm Törn nach Puerto la Cruz übernachten.
Nach gut 28 Stunden erreichen wir Puerto La Cruz, am venezolanischen Festland. Schnell bringen wir die Papiere zum Einklarieren und nehmen ein Bad im Pool und darauf ein Taxi in die Stadt. Fast erschlagen werden die Brüder von den gegensätzlichen Eindrücken im lebhaften Treiben. Als Martin die zerbeulten Vehikel sieht, denkt er daran, einen Autohandel aufzuziehen und Peter interessiert sich für die verschiedenen Imbissstände.
Am nächsten Tag bleibt keine Zeit zum Verdauen des Gesehenen. Mit einer schrottreifen Karosserie fahren wir zum Markt. Die Gerüche von ungekühltem Fleisch, Geflügel und Fisch sind gewöhnungsbedürftig, die tropischen Früchte und Gemüse sehr schön präsentiert und günstig.
Nachmittag's geht es per Dinghi auf dem Lagunenweg vorbei an den Villen zur Einkaufsmall. Der Rückweg von der ausserhalb liegenden Metzgerei mit dem Taxi erweist sich dann als etwas komplizierter, da der Fahrer keine Ahnung hat, wo unsere Marina liegt. Zum Sundowner kommen Marie-Theres und Paul von der Mabuhay an Bord und verdrängen bei uns die Abschiedswehmut.
Am nächsten Tag fahren wir mit Peter und Martin zum Flughafen Barcelona. Schön war es mit den Beiden! Nur kurze Zeit später hat uns das Alltagshafenleben wieder.