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In der ersten Woche unseres Aufenthaltes in Chaguaramas in Trinidad lernen wir neue Bootseigner kennen, spielen Billard mit ihnen oder fahren nach Port of Spain für ein Abendessen. Wir frönen ausgiebig dem trinidadschen „Liming“ (wir Älteren würden es mit „Ausspannen“, die Jüngeren mit „chillen“ bezeichnen). Da wir wieder den Luxus eines kleinen Swimmingpools gleich neben unserem Hafenplatzhaben, benutzen wir die Gelegenheit natürlich gern, zumal es hier tagsüber wieder sehr schwül ist. Abends kühlt es dafür ordentlich ab und mit 86% Luftfeuchtigkeit am frühen Morgen ist das Deck nass. Am Dienstagabend führt uns Jesse James mit seinem Minivan mitten in die Vorbereitungen für den weltberühmten Karneval. Und wir werden nicht enttäuscht! Zuerst zeigt der charmante Reiseführer unserer Gruppe Lokale, wo die Kostüme genäht und bestellt werden können. Die meisten Teilnehmer an den Karnevalsumzügen, kaufen sich nämlich bei einer Gruppe mit einem Kostüm ein. Dieses Jahr ist Mardi Gras am 16.Februar. Die einzelnen Cliquen haben bis zu mehreren Tausend Mitglieder und das Motto wechselt jedes Jahr. Bei der Gruppe von Trevor Wallace heisst es im 2010 „Fire and Ice“. Auch die Touristen können auf diese Art bei einem Umzug mitlaufen, werden geschminkt und eingekleidet und bewegen sich dann in geschütztem Umfeld. Wir können leider nicht so lange in Trinidad bleiben und auch die knappen Kostüme sehen auf der dunklen Haut der hübschen Einheimischen wahrscheinlich besser aus! Nach einem Imbiss fahren wir zu drei verschiedenen Steelbandgruppen. Die Calypso-Klänge der Steeldrums setzen uns sofort in Karnevalsstimmung. Wir sind erstaunt ob der Grösse der Bands, dem Eifer von Jung und Alt und der herrschenden Disziplin bei den Übungen. Das Spiel auf den „Pans“ erfordert volle Konzentration, Kraft und Schnelligkeit. Wir werden nicht müde, das Können der Spieler zu bewundern und die Verschiedenartigkeit der Mitglieder in ihren Bewegungen und ihrer Aufmachung zu bestaunen. Hier wiederspiegelt sich die Lebensfreude der „Trinis“! Rote Ibisse Am nächsten Tag haben wir Kontrastprogramm. Um halb neun fahren wir wieder mit Jesse James, diesmal ins Landesinnere in den Nationalpark Asa Wright. Zuerst am modern bebauten Uferland, das erst seit ungefähr 10 Jahren aufgeschüttet wurde und ein Erdbeben wie zurzeit auf Haiti besorgniserregend wäre, geht es bald einmal hinauf in die Berge. Vorher bringt uns Jesse aber noch „Doubles“, zwei Teigtaschen gefüllt mit Chicken, Linsen und scharfen Gewürzen und Calalooküchlein. Im Park angekommen, werden wir von einem Führer auf verschiedene Vögel hingewiesen und er meint schmunzelnd, dass die gefiederten Tierchen in der Karibik halt nicht vor Feinden tarnen müssen und sich Zeit für ihr farbenprächtiges Federkleid nehmen können, was nichts anderes heisse, als dass sie auch “limen“. Der “bearded bellbird“ (Flechtenglöckner) habe den lautesten Ruf aller Vögel. Sein Toc Toc erinnert an unseren Specht, tönt aber nicht wie Schlagen auf Holz, sondern wie auf Metall (wir sind ja auch in Trinidad). Ausserdem werden ir belehrt, dass die riesigen Bambusgehölze keine Stauden sind, sondern zu den Gräsern gehören, natürlich zu der grössten Art der Welt. Beim Orchideenbaum sehen wir nur eine einzelne vollentwickelte Blüte, die wir zuerst als Schmetterling vermuten. Nach dem Mittagessen kühlen wir uns im Flussbett ab und beobachten die schillernden Vögel von der Veranda aus. Stolze Photos an den Wänden der im Kolonialstil eingerichteten Lodge von Prinz Charles mit Camilla zeugen von einem Besuch hier oben. Jesse erwähnte dann auch, das „Lizzie“ letztes Jahr in Trinidad zu Besuch war. Wir müssen auch ein wenig studieren, bis wir wissen, wer gemeint ist! Auf unserer unterhaltsamen Autofahrt gibt der einheimische Jesse sich als Lehrer und erzählt viel über Land und Leute. So weist er uns auf die Christophine-Plantagen hin, die an den steilen Hängen angelegt sind. Christophines sehen aus wie schrumpelige Birnen, schmecken aber wie Kohlrabi. Sie lassen sich sehr gut auf einem längeren Törn lagern. Wir wissen nun, dass mit den Farben von Trinidad and Tobago: rot für die Wärme der Menschen und für die Sonne, weiss für das verbindende Wasser und die reinen Absichten der Republik und schwarz für den inneren Reichtum der Menschen und für das Erdöl steht. 40% der Bevölkerung kommt ursprünglich aus Afrika und wurden als Sklaven in den Zuckerrohrplantagen eingesetzt, 40% stammen aus Westindien. Darum verwundert es nicht, dass in mehreren Dörfern vor den Häusern Stangen mit bunten Tüchern stehen. So auch in St.Helena, dem Namen nach katholisch, leuchten die farbigen Gebetstücher der Hindus. Uns kommt der Gedanke, ob fleissige Initiativenlancierer nicht wieder ein Motiv fänden! Die Nationalblume ist die rote Chaconia oder wild wachsender Weihnachtsstern, der bis zu 3 Meter hoch wird. Das Nationaltier von Trinidad ist der scharlachrote Ibis. Und vor allem wegen diesem Wappentier fahren wir mit einem Boot in die Swamps. Ähnlich wir im Orinoco-Delta säumen Mangroven ein verzweigtes Flusslabyrinth. Eine stets wachsende und nun auch geschützte Population dieser prächtigen Vögel lebt hier und ernährt sich unter anderem von den roten Krabben, die sie mit ihren langen gebogenen Schnäbeln aus dem Sumpf holen und ihre Gefiederfarbe bestimmen. Wir fahren unter mehreren Schlangen durch, die aufgerollt auf den überhängenden Ästen ruhen und halten auch nach Kaimanen Ausschau. Gegen 17 Uhr binden wir das Boot in einiger Entfernung vor einer Mangroveninsel fest und warten auf die Ibisse, die scharenweise angeflogen kommen und sich hier zur Nachtruhe niederlassen. Immer mehr Tiere fliegen kurz vor Sonnenuntergang herbei, bis die grüne Insel fast aussieht wie ein reich blühendes Mohnfeld. Wir wollen die Ruhe der Ibisse natürlich nicht stören und können darum leider keine Nahaufnahme von diesen prächtigen Tieren machen. An diesem Abend dröhnen uns die Ohren nicht von Musik wie am Vorabend, aber die Augen haben ebenso viele Farben aufzunehmen!
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