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Wenn wir in Guadeloupe sind, ist anscheinend immer etwas los! Letztes Jahr wurden wir hier vom Streik überrascht, in Sachen Verkehrsmittel und auch mit den Einkaufsmöglichkeiten ging gar nichts und dieses Jahr hindert die Aschenwolke über Nordeuropa unsere Freunde am Heimflug! Aber schön der Reihe nach; Helen und Rainer kommen Ende März hier in Pointe à Pitre an. Mit dem Mietauto erkundigen sie den Regenwald auf eigene Faust und am folgenden Tag bestaunen wir im Norden die tollkühnen Surfer, die sich in der Brandung im Wettkampf messen. Unser erster Törn führt gerade mal um die Ecke vor Gosier. Es ist einfach herrlich, vom Schiff direkt ins Meer zu springen. Am Abend lässt sich der Spielmuffel Rainer sogar zum Canasta überreden und entwickelt ganz gehörigen Spieleifer! Helen mit weiblicher Tücke schlägt ihm zwar immer wieder ein Schnippchen, Wasserjogging stärkt halt nebst Beinmuskeln auch die Hirnzellen! Nach den Iles des Saintes machen wir mit Wind bis 32kn aus Ost durchschnittliche 7kn Fahrt und bald fällt der Anker vor dem auf Tourismus eingestellten Bretonendörfchen. Ein Cocktail zum Sonnenuntergang in der Hotelbar lässt die müden Glieder schwer werden. Gut ausgeruht nehmen wir Kurs auf Domenica. Nach einer rassigen Fahrt wenden wir uns wieder an den Einheimischen Andrew, der uns auch gleich zum Customer für das Einklarieren fährt. Am späteren Nachmittag lassen sich unsere Freunde die Fahrt auf dem Indian River nicht entgehen und zum Abendessen gehen wir zu Big Papas, wo wir begeistert sind vom Fischmenü. Zu unserer Überraschung treffen wir den deutschen Einhandsegler Gerd, den wir aus Trinidad kennen, an. Am nächsten Tag bleibt keine Zeit zum Ausschlafen. Wir werden für die Tour ins Landesinnere abgeholt. Über steile Strassen geht es durch dichten Regenwald zu schönen Wasserfällen und Seen. Auf dem 23sm langen Rückweg nach den Iles des Saintes fängt Rainer einen dicken Thunfisch. Endlich können wir wieder einmal Tartar und Sushi geniessen und auch dann bleibt noch genügend zartes Fleisch für grosse Thunfischsteaks übrig. Am nächsten Abend steht der Nachttörn an der Westküste von Guadeloupe vorbei nach Antigua auf dem Routenplan. Die ersten Stunden schiebt Helen mit dem Skipper zusammen die erste Wache. Nach 74sm finden wir am Ostermontag einen Ankerplatz im berühmten English Harbour auf Antigua. Schon sind einzelne grosse Schiffe zu bestaunen und die Drinks in der stilvollen Nelsons Bar munden bei diesem Ambiente gleich doppelt! In der Deep Bay fahren wir mit dem Dinghi an den Strand und wagen den kurzen Aufstieg auf die Anhöhe, wo wir eine fantastische Aussicht auf die Hauptstadt und die auslaufenden Kreuzfahrtsschiffe haben. Nur der Abstieg fällt uns nicht so leicht wie den Ziegen! Zur Belohnung genehmigen wir uns eine Kühlung im gediegenen, aber beinahe leeren, Hotelkomplex am Strand. Vor der Einfahrt nach Jolly Harbour baden wir im helltürkisenen Wasser und geniessen das karibische Feeling. Am Abend werden wir von Hardeggers zum Znacht eingeladen. Vielen Dank! Das Fleisch vom Grillmeister Peter war exzellent! Nach mehreren Telefonaten am nächsten Morgen verholen wir in eine Badebucht unweit von Jolly Harbour und schwimmen und relaxen. Gemütlich kann man die Fahrt in den Indian Creek am folgenden Tag nicht gerade nennen. Wir brettern gegen Wind und Welle und können die Ruhe nach der Einfahrt in diese gewundene Bucht kaum glauben. Schon das vorgelagerte Riff bremst die Wellen ab und im hinteren Teil erwartet uns spiegelglatte See und eine himmlische Ruhe, die nur durch die eintauchenden Pelikane mit Platschen unterbrochen wird. Das Wasser ist allerdings von den umgebenden Mangroven bräunlich. An Land faszinieren uns die gelb blühenden Agaven und die vielen kreisrunden Kakteen mit ihren rötlichen Stacheln und den rosa Blüten. Am Sonntag ist der Aussichtspunkt Shirley Heights unser Ziel. Ab 16 Uhr spielt wie vor 12 Jahren eine Steelband live und Schwaden von gegrilltem Fleischduft füllen die Luft. Aber vorher ergattern wir einen guten Aussichtsplatz für das einmalige Schauspiel, wenn die Sonne untergeht und die beiden Buchten von Failmouth- und English-Harbour in rötliche Töne färbt! In der Dunkelheit leuchten danach die Toplichter der Megajachten wie Christbäume. Um 19 Uhr räumen die Jungs ihre Drums zusammen und ohne Pause geht es gleich weiter mit Reggae-Musik. Den nächsten Tag haben wir für das Besichtigen der Luxusjachten reserviert, die jetzt eine Woche vor der Antigua Sailing Week langsam eintreffen. Was bleibt uns da bei diesem Luxus anderes als zu träumen! Nach Pointe à Pitre wollen wir auf dem Rückweg die kürzere Variante durch den Kanal zwischen den beiden Schmetterlingsflügeln von Guadeloupe nehmen. Noch vor der Dämmerung erreichen wir die erste Brücke und ankern vor der Durchfahrt. Die Anfahrt war dank guter Betonnung und gutem Kartenmaterial kein Problem. Gespannt, ob die Brücke um 04.30 tatsächlich aufgeht, legen wir uns für die kurze Zeit aufs Ohr. Nur mit wenig Verspätung öffnet sie sich tatsächlich und wir fahren mit Motor durch ein Mangrovenlabyrinth zur zweiten Brücke. Dort ist die Durchfahrt für unseren 6 Meter breiten Katamaran dann wesentlich enger und wir müssen genau navigieren. Bevor wir in den Hafen einlaufen, baden wir nochmals ausgiebig. Obwohl am Morgen ein Vulkanausbruch im Internet Schlagzeilen macht, fahren Helen und Rainer guten Mutes zum Flughafen und stehen nach kurzer Zeit wieder vor der Infinity. Der Flug ist annulliert und kein Mensch weiss, wann wieder geflogen werden kann. Die Kojen sind schnell wieder bezogen, die Hauptstadt und die Strände in der Umgebung warten auf unseren Besuch und die Canasta-Karten sind noch gar nicht versorgt! Leider wartet aber die Erfindermesse in Genf nicht und Rainer ist froh, dass er nach einer weiteren Woche wenigstens noch am Sonntag sein patentiertes Treppenkonzept persönlich vorstellen kann. Zum Glück hat ihn seine Jungmannschaft gut vertreten. Und nachdem sie uns am Flughafen noch den Rucksack mit Auto- und Schiffsschlüssel, ID- und Visakarte klauen, können wir von Glück sprechen, dass nur das Bargeld, die Sonnenbrille und das Handy fehlen, nachdem der Rucksack bei der Police abgegeben wurde. Am 1. Mai gratulieren wir René zum Dreivierteljahrhundert, nach dem wir diesen Frühling schon das Halbe und Pascal das Vierteljahrhundert feiern konnten!
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